LEADER und ILE - Ländliche Entwicklung in Brandenburg

In den Jahren 2007 bis 2013 werden ILE und LEADER gemeinsam umgesetzt

Seit 1991 erprobt die Europäische Union mit der Gemeinschaftsinitiative LEADER einen gebietsbezogenen Ansatz, um ländliche Regionen zu entwickeln. LEADER soll den Akteuren im ländlichen Raum dabei helfen, das langfristige Potenzial ihres Gebietes zu entwickeln. Es fördert qualitativ hochstehende und originelle Strategien für eine nachhaltige Entwicklung. Dabei legt LEADER den Schwerpunkt auf Partnerschaften und Netzwerke. Seit 2004 gibt es im Land Brandenburg mit der ‚Integrierten ländlichen Entwicklung' (ILE) einen weiteren gebietsbezogenen Förderansatz. Neu ist, dass in den Jahren 2007 bis 2013 ILE und LEADER in Einheit umgesetzt werden.

Brandenburg ist durch vielfältige, überwiegend dünn besiedelte Regionen mit kleinen Dörfern und Kleinstädten geprägt. Rund zwei Drittel der Landesfläche zählen zum ländlichen Raum. Wenn einer auf dem Dorf zu Hause ist, dann meint er diese Gegenden, die in Jahrhunderten durch den Menschen zu unserer heutigen Kulturlandschaft umgestaltet worden sind. Auch heute hängt das ländliche Leben wesentlich von den natürlichen Ressourcen in der unmittelbaren Umgebung ab. Das Vereinsleben, die dörfliche Infrastruktur und die regionale Wirtschaft haben sich aus dem Zusammenspiel der Generationen entwickelt. Doch der demografische Wandel droht in weiten Teilen Brandenburgs zu tiefgreifenden Veränderungen zu führen. Deshalb muss Ziel der ländlichen Entwicklung sein, diese Regionen für künftige Generationen attraktiv zu halten. Es gilt, Arbeitsplätze und Einkommen zu schaffen, die Lebensqualität sowie den Freizeit- und Erholungswert zu erhöhen, die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern und das Natur- und Kulturerbe zu erhalten.

In erster Linie sind die Menschen selbst gefragt, die Probleme vor ihrer Haustür zu lösen. Ohne sie wird kein noch so gutes Förderprogramm sein Ziel erreichen. Daher wird Landentwicklung in Brandenburg bereits seit dem Jahr 2004 als Integrierte ländliche Entwicklung (ILE) umgesetzt. ILE basiert auf der Zusammenarbeit zwischen den Kommunen sowie dem gemeinsamen Engagement von Verwaltung und Politik, von Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürgern. Sie schafft Verbindungen zwischen Land- und Forstwirtschaft, Handwerk, Handel und Gewerbe, Siedlungsentwicklung und Naturschutz, Tourismus, Versorgung und Sozialem sowie Kultur und Bildung. Die Beteiligung der Menschen in den Regionen und eine klare räumliche Schwerpunktsetzung bestimmen sie.

Der Brandenburger Weg: Integrierte ländliche Entwicklung

ILE unterstützt in ausgewiesenen Schwerpunktregionen Projekte und Betriebe, die Arbeitsplätze schaffen oder erhalten und die Wertschöpfung stärken, sowie Vorhaben, die die Lebensverhältnisse verbessern. Den Rahmen für die Förderungen bildeten bis zum Jahr 2007 die Integrierten ländlichen Entwicklungskonzepte (ILEK) dieser Regionen. Die Konzepte gaben die Entwicklungsrichtung und Förderschwerpunkte vor und wurden in den Regionen gemeinsam mit allen Beteiligten erarbeitet. In jeder Schwerpunktregion begleitete ein Regionalmanagement die Umsetzung der Vorhaben.

Für innovative Ansätze: LEADER

LEADER steht für ‚Liaison entre actions de developpement de l'economie rurale' (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). LEADER legt den Schwerpunkt auf Partnerschaften und Netzwerke, in denen die Akteure ihre Erfahrungen austauschen. Gemeinsam sollen sie modellhaft neue Ansätze entwickeln und testen. Basis für die Arbeit der LEADER-Region sind die Lokalen Aktionsgruppen. In ihnen kommen Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen sowie des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens zusammen. Die Lokalen Aktionsgruppen legen die Entwicklungsziele und Förderinhalte fest. Die Umsetzung der Ziele und Förderinhalte begleitet auch in den LEADER-Regionen ein Regionalmanagement.

Parallel zu ILE wurde bis zum Jahr 2007 die Gemeinschaftsinitiative LEADER+ in 13 Lokalen Aktionsgruppen umgesetzt. LEADER+ war in der EU-Förderperiode 2000 bis 2006 die Fortsetzung der ursprünglichen Gemeinschaftsinitiative LEADER. Mit LEADER+ wurden Vorhaben unterstützt, die innovativ waren und zur partnerschaftlichen Entwicklung der Region beigetragen haben. Brandenburg hat dabei deutliche Akzente im Hinblick auf die Arbeitsplatzrelevanz gesetzt. Für ILE und LEADER+ wurden von 2000 bis 2007 Fördermittel in Höhe von rund 473 Mio. € durch die EU, den Bund und das Land zur Verfügung gestellt. Zusammen mit den Eigenanteilen betrug das Gesamtinvestitionsvolumen rund 660 Mio. €. Allein im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative LEADER+ konnten über 500 Einzelvorhaben mit erheblichen Effekten für lebendige ländliche Räume umgesetzt werden.

Die neue EU-Förderperiode

Das Land Brandenburg hat für die neue EU-Förderperiode von 2007 bis 2013 seine Förderpolitik neu ausgerichtet und dabei drei Grundsätze für die ländliche Entwicklung festgelegt: das Primat von arbeitsplatzschaffenden Maßnahmen, Entwicklung von räumlichen und inhaltlichen Handlungsfeldern in den Regionen und breite Beteiligung der Akteure. Da sowohl ILE als auch LEADER diese Zielstellungen gleichermaßen verfolgen, werden beide Programme in der Zeit von 2007 bis 2013 in einer gemeinsamen Richtlinie umgesetzt. Außerdem wird es in den Regionen ein gemeinsames Regionalmanagement für ILE und LEADER geben.

Im Dezember 2006 hatte das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz (MLUV) den Wettbewerb zur Auswahl der LEADER-Regionen in Brandenburg ausgelobt. Es konnten sich abgegrenzte, homogene ländliche Gebiete als LEADER-Regionen bewerben. Die Regionen sollten dazu in Gebietsbezogenen lokalen Entwicklungsstrategien (GLES) die lokalen Stärken herausarbeiten. Sie sollten darstellen, mit welcher Strategie, welchen Schwerpunkten und Vorhaben zukünftig ein Beitrag zur ländlichen Entwicklung geleistet werden kann.

Der Verzahnung der Integrierten ländlichen Entwicklung mit der LEADER-Methode zu einem innovativen Entwicklungsansatz nach den Prinzipien ‚Eigeninitiative - Kooperation - Innovation' kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Wesentliche Elemente der LEADER-Methode sind:
- lokale öffentlich-private Partnerschaften,
- der Bottum-up-Ansatz, bei dem die lokalen Akteure selbst die Entwicklungsziele für die Region vorgeben,
- die multisektorale Umsetzung der Strategie,
- die Umsetzung innovativer Konzepte,
- Kooperationen zwischen den Akteuren sowie die Vernetzung der lokalen Partnerschaften.

Im November 2007 hat der gemeinsame Begleitausschuss des Landes Brandenburg für den EFRE, den ESF und den ELER die LEADER-Regionen im Land Brandenburg offiziell bestätigt. Dabei konnten alle 14 eingereichten gebietsbezogenen lokalen Entwicklungsstrategien anerkannt werden. Somit ist für die Lokalen Aktionsgruppen der Weg frei, die Entwicklung in ihrer Region auf der Grundlage ihrer Entwicklungsstrategien zu unterstützen und zu steuern. Es ist Aufgabe dieser Gruppen, die endogenen Kräfte des ländlichen Raums zu aktivieren, das Selbstwertgefühl der dort lebenden Menschen zu stärken, den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit in den Dörfern zu fördern und neue und vor allem hoch qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.

Der übergreifende Planungs- und Entwicklungsansatz einer Integrierten ländlichen Entwicklung in Verbindung mit LEADER unterstützt:
- Betriebe aus verschiedenen Branchen dabei, im Wettbewerb zu bestehen; dazu gehören land- und forstwirtschaftliche Unternehmen, lokales Handwerk und verarbeitendes Gewerbe sowie Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche;
- Dörfer und ländliche Gemeinden bei ihrer Entwicklung;
- den Land- und Naturtourismus;
- Akteure, die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und Erholung entwickeln;
- Akteure, die das natürliche und kulturelle Erbe erhalten.

Schon der athenische Staatsmann Perikles, der bedeutendste Redner seiner Zeit (um 495 bis 429 v. Chr.), sagte: "Es ist nicht unsere Aufgabe, die Zukunft vorauszusagen, sondern auf sie gut vorbereitet zu sein."

Tobias Wienand, MLUV

Infos:

Links zur Umsetzung von LEADER im Land Brandenburg:

www.mluv.brandenburg.de/cms/detail.php/167913

Der LEADER-Ansatz im Internet:

www.ec.europa.eu/agriculture/publi/fact/leader/2006_de.pdf

Informationen des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz zur ländlichen Entwicklung in Brandenburg im Internet:

www.mluv.brandenburg.de/cms/detail.php/107497


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